Digital Sourcing – Lästige Post aus Dänemark – Teil 1




Update 13.01.2018

Seit Verfassen des untenstehenden Beitrags hat es Neuigkeiten gegeben, siehe hier:

Digital Sourcing - Lästige Post aus Dänemark - Teil 2

Überraschung im Postkasten - Unbestellte Warensendung von Digital Sourcing

Am 02.01.2018 hatte ich eine besondere Überraschung im Postkasten, als Weihnachtsgeschenk leider etwas verspätet und auch viel weniger charmant.

Es handelt sich um eine Warensendung, Absender "Digital Sourcing ApS, Messevej 12, DK-9600 Aars", also aus Dänemark. Inhalt der Sendung: "QUICKMAX Eyelash Growth Enhancer", mitsamt einer Rechnung über 59,85€.

Als Mailadresse für Kundendienst-Rückfragen wird "mail@digitalsourcing.com" angegeben, im Schreiben selbst ist als Adresse "Digital Sourcing ApS, Postbox 201, DK-9600 Aars, Denmark" notiert.

Im Schreiben wird direkt darauf hingewiesen, dass bei Nicht-Begleichen der Rechnung es zu Mahngebühren kommt und nach drei Mahnungen der Fall an die Inkasso GmbH Alektum Deutschland weitergeleitet wird. Als Möglichkeit, die Rechnung zu begleichen, wird die URL https://dsbill.com angegeben.

Unbestellte Ware - hohe Rechnung von Digital Sourcing

Unbestellte Ware - hohe Rechnung von Digital Sourcing

 

Auffällig ist auch, dass die Rechnung sehr schlicht gehalten ist und nur der Hinweis auf Inkasso und Mahngebühren Platz findet. Übliche Hinweise zu Rückgabe-Modalitäten und Fristen fehlen z.B. gänzlich. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

Interessante Recherche-Ergebnisse

Da ich sehr sicher war, dass in unserem Haushalt niemand dieses merkwürdige "QUICKMAX" benötigt und somit es auch niemand bestellt hat, warf' ich einen ersten Blick auf die Weseite von "Digital Sourcing", wo ich einen auf den ersten Blick halbwegs normalen Online-Shop vorfand. Auch eine kurzfristige Internet-Recherche zu "Digital Sourcing" lieferte erst einmal keine wirklich auffälligen Erkenntnisse.

Interessanter wurde es aber auf der URL, auf der man laut Rechnung seine Zahlung begleichen soll: https://dsbill.com

Diese Seite leitet (zumindest noch am 03.01.2018) auf https://my.digitalsourcing.com/pay weiter. Wie im Screenshot hier schön zu sehen, taucht dort auf einmal eine andere Kontakt-Adresse auf: mail@stylelux.de

Screenshot - Bezahlseite mit interessanter Mailadresse

Screenshot - Bezahlseite mit interessanter Mailadresse

Volltreffer Style Lux / Lux Style

Tja, und was soll ich sagen, die Suchbegriffe "stylelux.de" und speziell "Stylelux Betrug" werfen einige Fragezeichen auf das Geschäftsmodell, das der offensichtliche Nachfolger von Style Lux / Lux Style" mit Namen "Digital Sourcing" offenbar ebenfalls verfolgt.

Unter Style Lux / Lux Style und diversen Domains mit diesen Namensbestandteilen operierende Unternehmen werden im Internet häufig mit Suchbegriffen und Titeln wie "Betrugsversuch", "Abzocke" und weiterem unseriösem Verhalten beschrieben.

Beispiele:

Facebook-Seite LuxStyle Betrugsopfer gesucht

Betrugsversuch/Datenmissbrauch Lux Style Aps, was tun? bei gutefrage.net

Online Shop Stylelux liefert nicht bestellte Ware bei frag-einen-anwalt.de

Das System funktioniert offenbar in zwei verschiedenen Varianten: In der ersten Variante laufen Besucher von Webseiten und/oder bei FB in Klickfallen, wo auch ohne explizite Bestätigung Bestellungen generiert werden. In der zweiten Variante, wie bei mir, wird unbestellte Ware an "Kunden" geliefert, die noch nicht mal die Webseite aufgerufen haben, was grundsätzlich zwei verschiedene Gründe haben könnte: a) Böswillige Dritte oder b) Betrug durch den Versender. Was davon die richtige Antwort ist, kann ich persönlich nicht entscheiden.

Mailkontakt mit Digital Sourcing

Natürlich habe ich per Mail den Anbieter Digital Sourcing darauf hingewiesen (übrigens sowohl unter mail@digitalsourcing.com als auch mit der auf der Bezahlseite angegebenen Mailadresse mail@stylelux.de), dass ich keine Waren bestellt habe und diese gerne bei mir abgeholt werden kann oder ebenso gern eine Rücksendung gegen Erstattung der Portokosten durchgeführt werden kann.

Als Antwort kam dann eine Mail, dass ich sehr wohl bestellt hätte und man hat mir als Verbindungsdaten sogar ein Datum, eine IP-Adresse und eine Mailadresse genannt, die bei der Bestellung angegeben wurden.

Zur IP: Angeblich wurde am 28.12.2017 um 12:25 von der IP-Adresse 80.255.13.14 bestellt. Diese IP-Adresse gehört laut whois offenbar zu einem englischen Netzwerk. Ich selbst war zu diesem Zeitpunkt im Büro, dort nutze ich meinen Arbeitgeber als Internet-Zugang, der definitiv keine IP aus London hat. 😉

Zur Mailadresse: Tja, die hat man nett geraten, "marioteetzen@gmail.com". Ich habe zwar eine GMail-Adresse, aber die sieht ganz anders aus. Die genannte Mailadresse kenne ich nicht. Ob man unter der genannten Adresse jemanden erreichen kann und wenn ja, wen, weiß ich nicht.

Auf mein Rücksende-Angebot wurde in keinster Weise eingegangen, stattdessen wurde ich aufgefordert, Anzeige wegen Identitätsdiebstahl zu stellen, da ich ja nicht der Besteller gewesen sei. Die Daten der Anzeige inkl. Ansprechpartner bei der Polizei solle ich dann bei Digital Sourcing einreichen.

Wenn man sich die Erfahrungsberichte unter o.g. Links mal durchliest und noch etwas weiter googelt, wird man feststellen, dass auch dieses Vorgehen offenbar Methode hat und so Druck und Angst beim angeblichen Kunden aufgebaut werden soll. Erst wird direkt mit Inkasso gedroht, anschließend soll der angebliche Kunde zur Polizei gehen, was für viele Empfänger sicher eine erhebliche Überwindung kostet und ebenso sicher mit enormem Zeitaufwand verbunden ist, so dass sicher der ein oder andere Empfänger dann doch lieber einfach bezahlt, in der Hoffnung, dann seine Ruhe zu haben...

Wie geht's weiter...

Ich werde ganz sicher nichts bezahlen, natürlich auch keine sinnfreie Anzeige (wogegen auch? Es wurden nur frei zugängliche oder offensichtlich erfundene Daten verwendet) erstatten und freue mich schon auf die weitere Korrespondenz. 😉

Wer sich fragt, warum ich den Kram nicht einfach an die angegebene Adresse zurückgesendet habe: Wer die oben genannten Links verfolgt und noch ein bisschen selbst googelt, stellt schnell fest, dass offenbar Rücksendungen nicht oder nur sehr selten ankommen, jedenfalls habe ich keinen Fall gefunden, der über eine erfolgreiche Rücksendung berichtet. Daher werde ich dafür sicher kein Geld investieren. Falls der Absender "Digital Sourcing" seine Sendung zurückhaben möchte: Sie liegt abholbereit an der bekannten Adresse und kann gegen Voraberstattung der Portokosten auch gerne an eine zu nennende Adresse verschickt werden. Genau das habe ich der Firma auch mitgeteilt, eine Reaktion darauf erfolgte, wie schon erwähnt, nicht.

Ich hoffe ja eigentlich, dass die tatsächlich so dreist sind, mit Inkasso und gerichtlichem Mahnverfahren zu versuchen, die unberechtigte Forderung einzutreiben, da kann man sicher eine schöne Artikelserie raus machen, denn natürlich werde ich an dieser Stelle über den Fortgang berichten...

Ebenso freue ich mich über Rückmeldungen anderer Opfer, vor allem würde mich mal interessieren, unter welchen angeblichen IPs deren Bestellungen erfolgt sein sollen. Vielleicht sieht man da ja sogar Zusammenhänge? Meldet euch, in den Kommentaren oder per Mail (siehe Impressum)!

Update 13.01.2018: Hier geht's zu Teil 2


3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Digital Sourcing – Lästige Post aus Dänemark – Teil 2 » absurde Zeiten

  2. Hallo, danke für deinen Bericht. Mir ist das selbe passiert mit Digital Sourcing und habe auch gleich gehandelt wie du.. nun habe ich tatsächlich eine Schreiben bekommen vom Inkassobüro aus der Schweiz, natürlich nochmals mit 50 Chf Mahngebühr. Dort habe ich mich telefonisch gemeldet und den Fall geschildert. Daraufhin musste ich es noch per Mail schriftlich machen. Jetzt möchte dieses Inkassobüro eine Betrugsanzeige der Polizei, was natürlich einen enormen Aufwand bedeutet für mich. Wie ist es jetzt bei dir ausgegangen? bin gerade etwas überfragt. Ich möchte auf jedenfall eine Betreibung verhindern. In der Schweiz kann man leider jeden betreiben, obwohls wahrscheinlich nicht ganz einfach ist.

    Ich freue mich auf Deine Antwort!

    Liebe Grüsse Ilaria

    • Hi.

      Bei mir war das Thema sofort erledigt, nachdem ich Verbraucherschützer eingeschaltet hatte, die auch noch mal dort nachgehakt haben.

      Was Du am besten tun kannst, weiß ich leider nicht, denn mir ist die Rechtslage in der Schweiz unbekannt. In Deutschland kann ein Inkasso-Unternehmen zwar auch einen gerichtlichen Mahnbescheid erwirken, aber wenn man dem dann offiziell beim Gericht widerspricht, muss ein Verfahren eröffnet werden durch das Inkasso. Da ist dann in Deutschland in solchen Fällen eigentlich immer Schluss, da die Forderung nicht belegt werden kann.

      Aber wie gesagt, zum Ablauf in der Schweiz kann ich Dir nichts sagen. Habt ihr denn keinen Verbraucherschutz, den Du um Rat bitten könntest? Ansonsten würde ich einen Anwalt fragen.

      Viele Grüße

      Mario

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